Ausstellungen

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22. Juni - 2. September 2016

Richard Dölker
1896 - 1955

BATIK

zum 60. Todestag und 120. Geburtstag

Vernissage Mittwoch, den 22. Juni 2016 - 18 - 20 Uhr





 

Es war einmal.....

Richard Dölker in der Sicht eines seiner ehemaligen Schüler

Vor langer, langer Zeit, am Anfang des vorigen Jahrhunderts, in den dunklen Wäldern im Schwabenland, da lebte ein junger Mann, der träumte von etwas, er wusste nicht was. Also machte er sich auf die Suche und ging auf Wanderschaft. Bis nach Italien, dem Land, wo die Zitronen blühen. Ein guter Stern leitete ihn und so fand er sich schließlich ganz im Süden Italiens wieder, in der Nähe von Salerno, als Leiter seiner eigenen, gut florierenden Töpferwerkstatt.

Es war aber nicht das Arbeiten mit nassem Ton an der Drehscheibe, was ihm am Töpferhandwerk so gut gefiel. Die leeren Flächen auf Krügen und Vasen, Tellern und Kacheln waren es, die seine große Gabe als geborener Zeichner herausforderte. Die Fläche, das war der gegebene Grund, auf dem sich seine schöpferische Einbildungskraft frei entfalten konnte. Eine Fülle dekorativer Gestaltungen sprudelte nur so aus seiner unerschöpflichen Phantasie hervor, die ihre Nahrung fand in allem, was er im sonnigen Süden um sich herum sah und was die kulturelle Vergangenheit der Mittelmeerländer zu bieten hatte.

Eines Tages dann führte ihn sein guter Stern nach Rom ins Museum des Vatikans. Eine herrliche Ausstellung antiker, javanischer Batiken! Wohl war es der blühende Reichtum exotischer Formulierungen, der ihn beeindruckte, aber etwas anderes fesselte seine Aufmerksamkeit. Hier waren visuelle Erlebnisse, deren unwiderstehlicher Zauber nicht eigentlich von der Vielfalt fremdartiger Zeichen und Farbharmonien ausging, als vielmehr von etwas, das ganz einfach Batik als Malmethode ureigen ist: Wenn man mit heißem, flüssigem Wachs malt, und das Tuch dann in ein Farbbad taucht, dann ist das Ergebnis zwangsläufig ein anderes, als wenn mit Farbe direkt auf die Leinwand gemalt wird.

Wie auch immer ein Künstler mit dieser eigentümlichen Malweise umgehen mag, das, was beim Betrachten von Batik vor allem ins Auge springt, wird immer das Wechselspiel von Hell und Dunkel sein, das dadurch entsteht, dass das, was als Wachszeichnung hell hervortritt, von der unweigerlich dunkleren Färbung komplementär unterstützt wird und dem Betrachter aus dem relativ Dunklen wunderbar entgegen leuchtet.

Warum hat Richard Dölker wohl alsdann die Töpferei aufgegeben, ist in seine Heimat zurückgekehrt und hat fortan ausschließlich für die Batikmalerei gelebt? War es nur der ästhetische Reiz der javanischen Batiken, die er gesehen hatte? Wohl kaum hätte der ausgereicht, um Dölkers schöpferische Begeisterung lebendig zu erhalten, ein ganzes Leben lang. Etwas anderes war es, etwas, das nicht von einem äußeren Einfluss ausging, wie die javanischen Batiken etwa, sondern in ihm selber seine Wurzel hatte.

Wenn er auch bisher mit Freude und großer Originalität Teller, Krüge, Kacheln mit volkstümlichen Motiven bemalt hatte, so lebte doch in ihm viel mehr und das hatte auf den Keramiken einfach nicht genügend Platz. Auf einem gewebten Stoff jedoch, groß wie ein javanischer Sarong etwa, brauchte er sich nicht mehr auf symbolische Bildzeichen zu beschränken; hier endlich konnte sich seine schöpferische Gestaltungskraft ungehindert voll ausleben.
Und wenn es bereits beim Bemalen der Keramiken gerade das Handwerkliche war, das sein künstlerisches Wollen angeregt hatte, so war es nun bei der Batikmalerei nicht anders. Auch hier waren die durch das Metier bedingten Widerstände nicht Hindernis, sondern geradezu Anreiz für seine schöpferischen Formfindungen. Die sogenannte freie Malerei interessierte ihn nicht. Er wollte keine Bilder malen. Bildteppiche, Wandbehänge schwebten vor seinem geistigen Auge und in Batik hatte er endlich ein Arbeitsfeld gefunden, das seinem künstlerischen Wollen vollkommen entsprach.

In den Jahren die folgten - und bis an sein Lebensende - entstand nun eine lange Reihe herrlicher Wandbehänge, vorher und nachher nie gesehene Formulierungen der Welt in der wir leben; Darstellungen, die schon allein durch das, was Batik in seiner besonderen Eigenart von allen anderen Maltechniken abhebt, auf den Betrachter einwirken, die aber zugleich, und vor allem, von dem leben, was aus Richard Dölkers eigenem Wesen direkt in seine Arbeiten einfließt.

In jedem einzelnen seiner Werke, in der Vielfalt der Themen, die er behandelt, aber besonders in der Gesamtheit seines formidablen Oeuvres zeigt sich seine höchst persönliche und originelle Art und Weise, die Welt zu sehen. Was andere Künstler gleichzeitig neben ihm beschäftigte, kümmerte ihn nicht; sagte er doch in seinem sizilianischen Reisetagebuch: “Um das, was man so die ‘eigene Linie’ nennt zu finden, . . . . muss man isoliert sein und gar keine Fühlung mehr mit Kollegen haben; ein Mund voll Wein hin und wieder wird einem schon den nötigen Mut geben, seinen Weg schnurzgleich gradaus zu gehen." Dieser Mut ist das Bewundernswerte an Richard Dölker. Dank dieses starken Willens ist schließlich ein Lebenswerk entstanden, das in seiner Originalität einzigartig ist. Weder orientiert es sich an den zeitgleichen Bestrebungen in der Kunst der Moderne, noch bemühen sich seine Arbeiten um ein Abbild der sichtbaren Welt; vielmehr fügt Richard Dölker mit jeder neuen Arbeit einen weiteren Baustein dem großen Gebäude seiner ganz persönlichen Welt zu. Einer Welt, gesehen mit den Mitteln von Batik als Maltechnik, gesehen mit den liebenden Augen Richard Dölkers. Peter Wenger 2016


Norbert Ramme im Kölner Stadt-Anzeiger am 28. Juni 2016

Teil 1
Teil 2

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Fotoausstellung 15. - 29. September 2016


Sakher Ei Moghrabi - Syrien
Brhane Medhane Ghrmay - Eritrea

Kurator Erhard Wesser

Vernissage am 15.9. - 19 - 21 Uhr
Finissage am 29.9. - 18 - 21 Uhr